Guter Bordeaux für unter 20 Euro? Das gibt es. Der Captain stellt dir einen vor. 

In Bordeaux darf man seinen Wein “Château X” nennen, obwohl es dort gar kein Schloss gibt. Das ist sogar ausgesprochen häufig. Ein Château kann aus einem Weinberg, einer Halle, ein paar Tanks und einem Büro bestehen. Kein Turm, kein Herrenhaus, kein Schlosspark sind nötig. 

Château Le Captain — wäre das nicht eine Idee? Darüber muss ich nachdenken. 

Die Marke Château La Commune ist jedenfalls so ein Weinprojekt ohne Château. Sein Erfinder ist aber kein Hochstapler, sondern ein Mann, der in der Region so fest verwurzelt ist wie seine Rebstöcke im Boden. 

Thomas Hervé kommt aus einer alteingesessenen Winzerfamilie in Fronsac und ein ordentliches Haus mit alten Mauern gibt es auch. Es heißt nur anders: Château Moulin Haut-Laroque. 

Merlot in dunkler Konzentration 

Der 16-Hektar-Betrieb gehört zusammen mit Gütern wie Château Dalem, Château de la Rivière, Château Fontenil und Château La Vieille Cure zur qualitativen Spitzengruppe der Appellation. 

Die Hauptrebsorte des Hauses heißt Merlot. Viele Rebstöcke sind über 50 Jahre alt. Das ist im Bordelais nicht ganz selbstverständlich. Daraus macht Thomas mit seiner Familie in besseren Jahrgängen dichte, dunkelfruchtige und würzig-frische Getränke, die zwischen 20 und 50 Euro kosten. 

Der Wein La Communion ist ein relativ neues Projekt, das sich an Käuferschichten wendet, die mit Bordeaux noch fremdeln. 

Der Captain mag diesen Wein, der ihn mit seiner dunklen Konzentration und intensiven Saftigkeit überrumpelte. Für knapp 16 Euro hatte er nämlich anderes erwartet und war angenehm überrascht. 

[Verkostungsbericht Bordeaux Superieur 2020 von Château La Communion:] 15% Vol. Alkohol — das ist fette Beute zum Trinken! Und sie fängt sehr bordeauxtraditionell an: In der Nase Rote Johannisbeere und der Duft von ausgetrocknetem Waldboden. Ich rieche dürres Laub, staubige Erde, mürbes Holz. Im Mund eine Konzentration, die angesichts des Preises staunen lässt. Dunkelrote Früchte spielen hier eher die Nebenrolle. Im Zentrum stehen reife Würze mit Kardamom und feinkörnige Textur. Der viele Alk fällt beim Trinken gar nicht auf. Das ist klassisches Bordeaux mit Substanz auf der Zunge und für wenig Geld.