Vor einiger Zeit nahm der Captain im Hotel Ritz-Carlton Berlin bei einer Verkostung mit Weinen der Domaine de la Romanée-Conti im Burgund teil. War nicht billig. 

Als alle Weine geleert waren, folgte eine bei solchen Treffen übliche Tradition: Jeder Teilnehmer bringt eine Flasche aus dem eigenen Keller mit und lässt die anderen davon probieren. Eine Person am Tisch (im Foto links) stellte eine Flasche Pétrus aus der Bordeauxappellation Pomerol hin. 

Pétrus ist der meistgefälschte Wein der Welt, weil er bei reichen Sammlern rasend begehrt ist. Wer bringt so eine Flasche als Absacker mit? Die freundliche Dame heißt Julie und hat eine fundierte Trinkausbildung genossen. Sie kommt aus China, lebt in München und erlaubte die Veröffentlichung dieses Fotos. 

Der 1983er von Pétrus gilt unter Kennern als durchschnittlicher Jahrgang und wird heute je nach Provenienz, Füllstand und Zustand des Etiketts (ja, auch das ist wichtig) für ca. 2.000 Euro gehandelt. 

Und wie hat er geschmeckt? 

Faszinierend und kräutrig mit deutlich medizinalen Noten. Kann man nur in kleinen Schlucken genießen. In der Nase enorme Würze von Wacholder, Piment, Kardamom, Beifuß und Teer. Im Mund konzentriert wie Kräuterbitter. Gerbsäure von zerkautem Leder, wieder Wacholder, ganz viel dunkle Kräuter, schwarze Schokolade, Pastinake. Kein gefälliger Wein, aber eine aufregende Geisterbahn zum Trinken und ein großes Erlebnis.